Traumatisierung Erkrankungen nach psychischer Traumatisierung
Störungsbilder nach psychischer
Traumatisierung: Wir unterscheiden: 1. Eine akute Belastungsreaktion. Diese geht einher mit Betäubung, Bewusstseinseinengung, eingeschränkter Aufmerksamkeit, einer Unfähigkeit, Reize zu verarbeiten, Desorientiertheit und Erinnerungslücken. 2. Eine posttraumatische Belastungsstörung. Diese setzt sich zusammen aus sich aufdrängenden belastenden Gedanken und Erinnerungen an das Trauma sowie Erregungssymptomen, wie Schlafstörungen, Schreckhaftigkeit, vermehrter Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen, Vermeidungsverhalten gegenüber Situationen, die an die traumatische Erfahrung erinnern, emotionale Taubheit mit allgemeinem Rückzug, Interesseverlust und innerer Teilnahmslosigkeit. 3. Eine andauernde Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung. Darunter fallen traumatische Erlebnisse wie Konzentrationslager, Folter und anhaltende lebensbedrohliche Situationen. Es resultiert als Ausdruck der psychischen Traumatisierung eine andauernde feindliche oder misstrauische Haltung gegenüber der Welt, sozialer Rückzug, andauerndes Gefühl von Leere und Hoffnungslosigkeit, von gesteigerter Wachsamkeit und Reizbarkeit, dem Gefühl verändert und anders als die anderen zu sein, was vor dem Ereignis nicht bestand. Die Persönlichkeitsänderung nach psychischer Traumatisierung muss mindestens 2 Jahre bestehen. Es kann sich dabei um den chronischen Verlauf einer posttraumatischen Belastungsstörung nach psychischer Traumatisierung handeln.
Während der Erfahrung der psychischen
Traumatisierung ist das seelische Absperren von Wahrnehmungseindrücken ein
Schutzmechanismus, der später wiederkehrend zu Symptomen führen kann, wie
Derealisation, dabei wird die Umgebung fremd, wie durch Nebel und wie in Trance
wahrgenommen. Ein Ereignis mit psychischer
Traumatisierung kann auch zu
depressiven
Störungen, zu
Angsterkrankungen
zu Schmerzsymptomen
und psychosomatischen Organerkrankungen, zu Suchterkrankungen und Störungen der
Persönlichkeit führen.
Häufigkeit Eine Reihe von Untersuchungen belegen, dass nach psychischer Traumatisierung bei der Symptomdauer von mehr als 3 bis 6 Monaten das Risiko einer Chronifizierung sehr hoch ist. Bei der Untersuchung von Frauen nach Vergewaltigung fanden Studien eine Häufigkeit der posttraumatischen Belastungsstörung zwischen 57 und 80%. Bezüglich anderer Gewaltverbrechen lag die Häufigkeit von Symptomen einer psychischen Traumatisierung über 25%, je nach Ausmaß der erlebten Bedrohung und erlittenen körperlichen Verletzungen. Bei Kriegstraumata und nach politischer Verfolgung treten Symptome der psychischen Traumatisierung bis zu 70% auf, ebenso bei technischen Katastrophen und Naturkatastrophen. Nach Verkehrsunfällen wurden Symptome der psychischen Traumatisierung bei bis zu 40% der Unfallopfer gefunden, ähnlich bei lebensbedrohlichen körperlichen Erkrankungen wie HIV-Infektionen, Krebserkrankungen und Herzinfarkt. Bei der Untersuchung der psychischen
Traumatisierung von Helfern fand sich eine posttraumatische Belastungsstörung
von Feuerwehrleuten und Rettungsassistenzen bis zu 21%. Nach früherer
psychischer Traumatisierung wie Vernachlässigung, Misshandlung und sexueller
Traumatisierung wurden Symptome der posttraumatischen Belastungsstörung bei bis
zu 80% beschrieben.
Gründe für stationäre
Psychotherapie: Zur Aufnahme führen seelische und körperliche Symptome, die die Arbeitsfähigkeit bedrohen oder bereits zur Arbeitsunfähigkeit führten. Unsere Patientinnen und Patienten kommen in verschiedenen Phasen des Verlaufs nach einem Erlebnis mit psychischer Traumatisierung. Einige befinden sich in der Auseinandersetzung mit einem jüngst zurückliegenden Trauma. Andere sind in der Phase der langfristigen Folgen eines Traumas. Zu uns kommen Patientinnen und Patienten mit umschriebenen traumatischen Erfahrungen wie Vergewaltigung, Überfall, Zeugen von Unfällen als Rettungssanitäter oder auch nach dem Tod des eigenen Kindes. Wir behandeln Patientinnen und Patienten
nach Kindheitstraumata wie Elternverlust, Vernachlässigung und sexuellem
Missbrauch mit Folgen, die die ganze weitere Persönlichkeitsentwicklung prägten.
Zu einer krisenhaften Zuspitzung mit Symptomzunahme kann es dann kommen, wenn
aktuelle Lebensereignisse wie Scheidung, Todesfall in der Familie, neuer
Berufsabschnitt oder eine körperliche Erkrankung die bisher abgekapselten
Erinnerungen an die psychische Traumatisierung mobilisieren. Zu uns kommen auch
Patientinnen und Patienten mit chronifiziertem Krankheitsverlauf und erheblichen
seelischen und sozialen Einschränkungen, so dass eine ambulante oder
tagesklinische Behandlung nicht ausreicht.
Therapie bei
Traumatisierung: Die
psychosomatische Abteilung
der Klinik am Homberg verfügt über zwei tiefenpsychologisch
orientierte und eine verhaltenstherapeutisch arbeitende Station. Dadurch können
wir bei psychischer Traumatisierung Angebote aus beiden therapeutischen
Grundrichtungen machen. Wenn eine Patientin / ein Patient bereits Vorerfahrungen
in einem Verfahren mitbringt, können wir daran anknüpfen. Die Therapie geht von den natürlichen
Verarbeitungsstadien einer psychischen Traumatisierung aus. Es werden die Phasen
der Verleugnung und Vermeidung, des Wiederaufdrängens von Erinnerungen, des
Durcharbeitens und der Integration unterschieden. Kann die Patientin / der
Patient ihr Vermeidungsverhalten verstehen, so ist ihr / ihm möglich,
Vermeidung und Rückzug zu lockern. Die Therapie bietet Hilfe bei der Sorge für
Ausruhen und Beruhigung, bei der Unterscheidung zwischen Gegenwart und
Vergangenheit, beim dosierten Umgang mit traumatischen Erinnerungen und bei
Techniken zur Selbstberuhigung. Die Verarbeitung psychischer
Traumatisierung ist vollendet, wenn es dem Betroffenen möglich ist,
Erinnerungen und Gefühle im Zusammenhang mit dem Trauma bewusst hervorzurufen,
ohne ihnen ausgeliefert zu sein. Dann ist ein Wiederanknüpfen an eine lebendige
Lebensgestaltung möglich. Wir bieten psychodynamische Einzeltherapie. Häufig fällt es Patienten nach psychischer Traumatisierung zunächst in therapeutischen Einzelgesprächen leichter, Erfahrungen wieder zu entdecken, die wegen extremer Scham-, Schuld- und Angstbelastung bisher unzugänglich waren. Die interaktionelle Gruppentherapie bietet dann Vorteile, wenn die Patientin / der Patient nicht mehr von Erinnerungsbildern überschwemmt wird. Die Gruppe ermöglicht ihm, aus der bisherigen Isolation herauszutreten. Sie ist entlastend, weil sie die Allgegenwart von Leiden auch bei anderen erkennen lässt. Die kognitiv-bihaviorale Psychotherapie wird auf unserer verhaltenstherapeutisch arbeitenden Station sowohl als Einzeltherapie als auch als Gruppentherapie bei psychischer Traumatisierung angeboten. Imaginative Verfahren helfen beim Wiedererlangen von Kontrolle im Umgang mit überflutenden Traumaerinnerungen nach psychischer Traumatisierung. Hierzu gehört das Üben der Vorstellung vom inneren, sicheren Ort als Kraft- und Erholungsquelle und von inneren Helfern, die in Phasen des Wiedererlebens von Ohnmacht und Hilflosigkeit in der Phantasie herbei geholt werden können. Kreativverfahren wie Kunsttherapie, Musiktherapie und Bewegungstherapie helfen nach psychischer Traumatisierung den Erlebens- und Handlungsspielraum zu erweitern. Bei der Eutonie handelt es sich um ein Körperwahrnehmungsangebot in der Gruppe, das einen fürsorglichen und achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper fördert. Die Schmerzbewältigungsgruppe arbeitet als stationsübergreifende Gruppe mit kognitiv – verhaltenstherapeutischen Techniken zum Umgang mit chronischen Schmerzen. Bestandteil sind auch Gruppentermine mit Körperwahrnehmungsangeboten. Die Angstbewältigungsgruppe ist eine stationsübergreifende Gruppe mit kognitiv-verhaltenstherapeutischen Angeboten zum Umgang mit Panikgefühlen und phobischen Ängsten. An
Entspannungstraining arbeiten
wir in der Klinik am Homberg zur Behandlung psychischer Traumatisierung mit der
Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson, dem Autogenen Training und mit
Atembiofeedback. Hinzu kommt bei psychischer
Traumatisierung die Möglichkeit von Sportangeboten, Krankengymnastik, Massagen
und Bäder. In der Ergotherapie ist ein Arbeitsplatz bezogenes Training im
Angebot.
Psychopharmaka sollten nach sorgfältiger
Abwägung im Einzelfall begleitend zur Behandlung psychischer Traumatisierung
herangezogen werden. Sie können Psychotherapie nicht ersetzen. Literatur: Wir freuen uns, wenn wir Ihnen helfen können. Ihre Dr. med. W.
Rasbach
Zur Klärung weiterer medizinischer Fragen und Behandlungs- bzw. Therapiemöglichkeiten steht Ihnen unsere Chefärztin im persönlichen Gespräch gerne zur Verfügung. Bitte vereinbaren Sie zuvor einen Termin in unserer Privatambulanz.
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